Kündigungsgründe von Mitarbeitern: aktuelle Studien und Zahlen

Kündigungsgründe von Mitarbeitern: aktuelle Studien und Zahlen

Aktualisiert: September 2026

Warum kündigen Beschäftigte? Mal ist es das Gehalt, mal der Umgang im Team. Manchmal wirkt der nächste Karriereschritt woanders einfach greifbarer. Eine eindeutige Rangliste gibt es trotzdem nicht. Denn es macht einen Unterschied, ob eine Studie nach dem letzten Jobwechsel, einer möglichen Kündigung oder dem Grund im Austrittsgespräch fragt.

Wir haben deshalb aktuelle Erhebungen nebeneinandergelegt. So wird sichtbar, was jeweils untersucht wurde, wo sich die Ergebnisse überschneiden – und wo Unternehmen besser nicht vorschnell verallgemeinern.

Was sich durch die Studien zieht: Vergütung, Arbeitskultur, Vereinbarkeit, Entwicklung, Führung und Belastung tauchen immer wieder auf. Meist kommt allerdings mehr als ein Grund zusammen. In einer aktuellen deutschen Untersuchung nannten Beschäftigte durchschnittlich drei bis vier.

Kündigungsgründe: die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

37 %nennen zu niedrige Bezahlung als möglichen Kündigungsgrund.
Randstad Workmonitor 2025, Deutschland
36 %würden wegen einer toxischen Arbeitskultur gehen.
Randstad Workmonitor 2025, Deutschland
26 %suchen aktiv oder gelegentlich nach einer neuen Stelle.
EY Jobstudie 2025, Deutschland
¼der tatsächlichen Wechselgründe bleibt gegenüber dem früheren Arbeitgeber im Schnitt unausgesprochen.
FAU/Universität Ulm, 2025

Diese Zahlen lassen sich nicht einfach zu einer großen Rangliste addieren. Randstad fragt nach Umständen, unter denen Menschen eine Stelle verlassen würden. EY betrachtet unter anderem Gründe eines bereits vollzogenen Arbeitgeberwechsels. Die FAU und die Universität Ulm vergleichen Forschungsarbeiten, anonyme Befragungen und reale Austrittsinterviews. Zusammen zeigen die Studien also mehrere Seiten desselben Themas.

Die fünf häufigsten Kündigungsgründe im Randstad Workmonitor

Für den deutschen Teil des Randstad Workmonitor 2025 ergibt sich folgende Reihenfolge. Die Prozentwerte beschreiben, aus welchen Gründen Befragte einen Job nicht annehmen oder verlassen würden.

1. Zu niedrige Bezahlung37 %

Marktvergleich, interne Fairness und Kaufkraft spielen zusammen.

2. Toxische Arbeitskultur36 %

Gemeint sind nicht nur Konflikte, sondern auch erlebte Normen und der tägliche Umgang.

3. Fehlende Vereinbarkeit33 %

Arbeitszeit, Privatleben und tatsächliche Flexibilität passen nicht zusammen.

4. Vertrauensverlust in die Führung28 %

Der Blick richtet sich auf die Unternehmensleitung, nicht nur auf direkte Vorgesetzte.

5. Abgelehnte Verbesserungen27 %

Beschäftigte haben ein Problem angesprochen, erleben aber keine ernsthafte Reaktion.

Als Blick auf den Arbeitsmarkt ist das Ergebnis nützlich. Für ein einzelnes Unternehmen ist es noch keine Diagnose. Wer aus „37 Prozent nennen Gehalt“ sofort eine allgemeine Gehaltserhöhung ableitet, überspringt die wichtigste Frage: Welche Gruppen gehen bei uns, wann geschieht das – und was ist dort konkret passiert?

Was andere aktuelle Studien zu Kündigungsgründen zeigen

Vollzogener Wechsel

EY Jobstudie 2025

Bei Beschäftigten, die bereits den Arbeitgeber gewechselt hatten, lagen niedrige Vergütung (35 %), Unzufriedenheit mit der Führung (28 %) und eine schlechte Unternehmenskultur (23 %) vorn.

Drei Studienphasen

FAU & Universität Ulm

In 78 untersuchten Studien wurden Überarbeitung und Stress am häufigsten genannt. In der anonymen deutschen Befragung standen neue Aufgaben, Entwicklung und Probleme mit Führungskräften weit oben.

Bindung und Wechsel

Gallup Engagement Index 2025

Nur 10 % der Beschäftigten in Deutschland weisen eine hohe emotionale Bindung auf. Bei hoher Bindung suchen 3 % aktiv einen Job, ohne Bindung sind es 39 %.

Die EY Jobstudie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1.555 Beschäftigten in Deutschland. Die Forschungsarbeit von FAU und Universität Ulm verbindet eine Literaturauswertung, eine anonyme Onlinebefragung und 312 Austrittsinterviews. Der Gallup Engagement Index Deutschland zeigt ergänzend, wie eng emotionale Bindung und aktive Stellensuche zusammenhängen.

Wenn Unzufriedenheit in einer Zielgruppe wiederkehrt, reicht der Studienvergleich nicht mehr. Dann muss untersucht werden, welche Arbeitsbedingungen dahinterliegen und wie sich die Mitarbeiterzufriedenheit gezielt steigern lässt.

Warum Kündigungsgründe je nach Studie anders aussehen

Wie eine Rangliste aussieht, hängt schon von der Frage ab. Vor allem diese vier Punkte verändern das Ergebnis:

  • Absicht oder tatsächlicher Wechsel: Was Menschen für den Fall einer Kündigung erwarten, muss nicht dem späteren Auslöser entsprechen.
  • Anonym oder im Gespräch: Kritik an Führung, Team oder Kultur wird anonym eher genannt als gegenüber dem ehemaligen Arbeitgeber.
  • Ein Grund oder mehrere: Wer nur nach dem wichtigsten Grund fragt, macht aus einer Gemengelage einen einzelnen Wert.
  • Markt oder Unternehmen: Eine deutschlandweite Befragung zeigt Muster. Sie verrät nicht, ob ein bestimmter Standort dasselbe Problem hat.
Genannter Grund„Ich verdiene woanders mehr.“
Kontext prüfenMarktlücke, interne Unfairness oder blockierte Entwicklung?
Hebel wählenVergütung, Laufbahn oder Führungsentscheidung gezielt verändern.

Die Prozentwerte allein führen also nur bis zu diesem Punkt. Wie aus einem sichtbaren Grund eine belastbare Ursachenanalyse wird, erklärt der Beitrag Warum kündigen Mitarbeiter? Ursachen, Warnsignale und Diagnose.

Wie Unternehmen Kündigungsgründe richtig einordnen

Externe Studien geben eine Richtung vor. Um das eigene Problem zu verstehen, sollten Unternehmen vier Arten von Informationen nebeneinanderlegen:

DatenquelleWas sie gut kannWo sie täuschen kann
AustrittsgesprächKonkreten Verlauf und erlebte Ereignisse sichtbar machenSensible Gründe werden oft abgeschwächt oder verschwiegen
FluktuationsdatenMuster nach Rolle, Standort, Führungskraft und Betriebszugehörigkeit zeigenZahlen erklären nicht von allein, warum das Muster entsteht
Pulse- und BindungsdatenProbleme erkennen, bevor Menschen kündigenDurchschnittswerte verdecken kleine Risikogruppen
Externe StudienEigene Ergebnisse in einen größeren Markt einordnenAndere Stichproben und Fragen sind nicht eins zu eins übertragbar

In der Praxis beginnt das mit einer sauberen Messung der Mitarbeiterbindung. Danach werden die auffälligen Gruppen getrennt betrachtet. Erst dann ist eine Maßnahme sinnvoll. Zeigt sich die Fluktuation bereits deutlich in einzelnen Bereichen, geht es im Beitrag Fluktuation senken um die konkrete Gegensteuerung. Formeln, Kosten und die verschiedenen Fluktuationsarten behandelt Mitarbeiterfluktuation berechnen und bewerten.

Vom Studienwert zur überprüfbaren Hypothese

Eine externe Zahl ist dann nützlich, wenn sie eine bessere Frage auslöst. Aus „37 Prozent nennen zu niedrige Bezahlung“ wird zum Beispiel nicht „Wir müssen allen mehr zahlen“, sondern: Häufen sich unsere freiwilligen Abgänge in Rollen, deren Vergütung unter dem relevanten Markt liegt – oder geht es dort eher um interne Fairness und fehlende Entwicklung?

Eingrenzen

Wer genau geht?

Rolle, Standort, Betriebszugehörigkeit, Leistung und Austrittsart benennen. Ohne Zielgruppe bleibt jede Ursache abstrakt.

Abgleichen

Welche Quellen stimmen überein?

Exit-Feedback, Befragung, Markt- und HR-Daten nebeneinanderlegen. Eine einzelne laute Aussage ist noch kein Muster.

Widerlegen

Was spricht dagegen?

Vergleichsteams und Gegenbeispiele prüfen. Wenn Beschäftigte bei gleicher Belastung anderswo bleiben, fehlt noch ein Teil der Erklärung.

Entscheiden

Was wäre veränderbar?

Nur Ursachen priorisieren, die relevant, beeinflussbar und mit einem frühen Erfolgssignal verbunden sind.

Dann leisten Marktstudien genau das, was sie sollen: Sie liefern die Außensicht und bessere Fragen. Die Diagnose muss trotzdem aus dem Unternehmen kommen.

Was bedeuten die Zahlen für Ihr Unternehmen?

Eine Studie zeigt, was viele Beschäftigte nennen. Retention Management klärt, wo Ihr Unternehmen tatsächlich Bindung verliert und was sich dort verändern lässt.

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Quellen und Methodik

Wir haben Quellen danach ausgewählt, ob Fragestellung, Stichprobe und Erhebungsweg nachvollziehbar sind. Prozentwerte werden nicht vermischt und bleiben dem jeweiligen Studiendesign zugeordnet.

Häufige Fragen zu Kündigungsgründen

Was sind die häufigsten Kündigungsgründe von Arbeitnehmern?

In aktuellen deutschen Erhebungen tauchen vor allem Vergütung, Arbeitskultur, Vereinbarkeit, Entwicklung, Führung und Belastung auf. Die Reihenfolge ändert sich mit Fragestellung und Stichprobe. Deshalb ist eine einzelne Top-Liste keine allgemeingültige Diagnose.

Welcher Kündigungsgrund steht an erster Stelle?

Im deutschen Randstad Workmonitor 2025 steht zu niedrige Bezahlung mit 37 % vorn. Die Forschungsarbeit von FAU und Universität Ulm findet in der Auswertung internationaler Studien dagegen Überarbeitung und Stress am häufigsten. Beide Ergebnisse sind korrekt, beantworten aber unterschiedliche Fragen.

Reicht ein Austrittsgespräch, um Kündigungsgründe zu verstehen?

Nein. Beschäftigte nennen gegenüber dem früheren Arbeitgeber nicht immer alle Gründe. Austrittsgespräche sollten mit anonymen Befragungen sowie Fluktuations- und Bindungsdaten kombiniert werden.

Was sollte ein Unternehmen zuerst tun?

Nicht sofort eine breite Maßnahme starten. Zuerst müssen Abgänge nach Rolle, Standort, Führung, Betriebszugehörigkeit und Zeitpunkt getrennt werden. Danach lässt sich prüfen, welcher Kündigungsgrund in welcher Gruppe tatsächlich relevant ist.

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