Um beurteilen zu können, ob der betriebliche Krankenstand ein Symptom von strukturellen Problemen am Arbeitsplatz ist, startet die Harbinger AG jedes Fehlzeitenprojekt mit einer umfassenden Analyse. Hier werden nicht nur die absoluten Zahlen wie die Anzahl der Krankmeldungen, die Anzahl von Wiedereingliederungen nach längerer Krankheit oder der Krankenstand je Abteilung oder Führungskraft gemessen, sondern diese Kennzahlen werden auch ins Verhältnis gesetzt zu den Benchmarks von Firmen in derselben Branche und in ähnlichen Situationen.
Im Rahmen der ganzheitlichen Analyse der Kennzahlen werden schnell Auffälligkeiten sichtbar: Häuft sich der Absentismus bei bestimmten Führungskräften? Könnte das Arbeitsklima zu erhöhten Fehlzeiten führen, beispielsweise weil der Führungsstil des Vorgesetzten zu Unzufriedenheit bei den Kollegen führt? Führt eine hohe Arbeitsbelastung dazu, dass die Zahl der Arbeitsunfälle aus dem Rahmen fällt? Durch den Vergleich mit branchenspezifischen Benchmarks können diese und viele weitere Fragen objektiv beantwortet werden.
Nachdem die Fokusthemen des Fehlzeitenprojekts identifiziert sind, gibt die Harbinger AG dem Kunden einen individuellen Aktionsplan an die Hand, der sowohl konkrete Quick Wins als auch Maßnahmen für die mittel- und langfristige Verbesserung des Arbeitsumfelds umfasst.
Krankenrückkehrgespräche sind vertrauliche Gespräche zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber bzw. Vorgesetztem nach einer kürzeren oder längeren Arbeitsunfähigkeit. Ziel ist es, einen Einblick in die Ursachen für die Fehlzeiten zu erhalten, Unterstützung anzubieten und erneuten Fehltagen vorzubeugen. Nicht zu verwechseln sind sie mit den Gesprächen, die im Rahmen einer betrieblichen Wiedereingliederung des Mitarbeiters (BEM-Gespräche) vorgeschrieben sind.
Rückkehrgespräche sollten zeitnah nach der Rückkehr stattfinden, insbesondere bei häufigen oder längeren Krankheitsfällen. Sie helfen zum Beispiel, die Leistungsbereitschaft der Angestellten zu fördern, die Fähigkeit der Resilienz anzuheben und die Arbeitsbedingungen individuell besser zu gestalten. Rechtlich sind diese Gespräche nicht vorgeschrieben.
Gleiches gilt für die Fehlzeitengespräche, die häufig angebracht sind, wenn Mitarbeiter auffällig häufig fehlen. Die Fehlzeitengespräche sind häufig bereits weniger informell als die lockeren Krankenrückkehrgespräche, immerhin gibt es hier einen Anlass zur Kritik. Ziel sollte aber auch bei einem Fehlzeitengespräch immer sein, die Gründe für die Erkrankung zu verstehen und gemeinsame Lösungen zu finden, um die krankheitsbedingte Abwesenheit zu reduzieren. Sowohl Fehlzeitengespräch als auch Krankenrückkehrgespräch sollen dem Mitarbeiter Wertschätzung signalisieren.
Für das Fehlzeitenmanagement, wie es die Harbinger AG mit ihren Kunden im Rahmen von konkreten Fehlzeitenprojekten durchführt, gibt es keine besonderen rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Analyse von Kennzahlen, die Ursachenforschung der Abwesenheiten und das Ableiten von Maßnahmen sind grundsätzlich zulässig, solange dabei die datenschutzrechtlichen und arbeitsrechtlichen Vorgaben eingehalten werden.
Die Harbinger AG beachtet bei ihren Analysen und Handlungsempfehlungen selbstverständlich sämtliche relevanten arbeitsrechtlichen Bestimmungen, zum Beispiel:
- Gestaltung der Arbeitsbedingungen: Arbeitgeber sind verpflichtet, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass die Gesundheit der Mitarbeiter geschützt und Arbeitsunfähigkeit vermieden wird. Dies umfasst Maßnahmen des Arbeitsschutzes und der Gesundheitsförderung.
- Umsetzung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM): Gemäß § 167 Abs. 2 SGB IX müssen Arbeitgeber ein BEM durchführen, wenn ein Mitarbeiter innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig ist. Ziel ist es, die Arbeitsfähigkeit des Mitarbeiters zu fördern und erneuter Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen. Krankenrückkehrgespräche können zusätzlich aber auch schon nach kürzeren ungeplanten Abwesenheiten durchgeführt werden.
- Melde- und Nachweispflichten: Arbeitnehmer sind verpflichtet, dem Arbeitgeber ihre Arbeitsunfähigkeit unverzüglich mitzuteilen. In der Regel muss ab einer Zahl von mehr als drei Kalendertagen eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt werden. Der Arbeitgeber kann die Vorlage der Bescheinigung auch früher verlangen.
- Urlaubsanspruch: Der gesetzliche Urlaubsanspruch beträgt mindestens 20 Werktage bei einer Fünf-Tage-Woche. Während des Urlaubs besteht Anspruch auf Fortzahlung des Arbeitsentgelts.
Mitarbeitergespräche sind ein wertvolles Instrument im Fehlzeitenmanagement, da sie Kommunikation, Feedback und individuelle Lösungsansätze fördern. Fehlzeitengespräche und Rückkehrgespräche helfen, die Ursachen für Fehlzeiten zu verstehen und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen abzuleiten. Wichtig ist dabei, dass sich der Mitarbeiter nach seiner Erkrankung wertgeschätzt fühlt und ihm sein Fehlen nicht zum Vorwurf gemacht wird.
Ein offener Austausch stärkt zudem die Motivation der Mitarbeiter, verbessert das Betriebsklima und trägt langfristig zur Reduzierung der Fehlzeitenquote bei.
Eine positive Unternehmenskultur hat eine hohe Bedeutung für die Reduktion von Fehlzeiten. Sie fördert ein gesundes Arbeitsklima, steigert die Bindung der Mitarbeiter und erhöht die Motivation der Belegschaft. Klare Arbeitsbedingungen, ein wertschätzender Führungsstil und transparente Kommunikation tragen zur Verbesserung des Wohlbefindens bei und beheben viele Probleme.
Unternehmen mit einer offenen, unterstützenden Kultur erleben im Durchschnitt weniger Krankheitstage, da sich Mitarbeiter stärker engagieren und langfristige gesundheitliche Belastungen angesprochen und mit den passenden Ressourcen umgangen werden können.
Das betriebliche Gesundheitsmanagement, kurz BGM genannt, ist ein wichtiger Bestandteil der Fehlzeitenreduktion, konzentriert sich jedoch vor allem auf Prävention, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Es hilft, Arbeitsbelastungen zu minimieren und die Resilienz der Mitarbeiter zu stärken.
Das Fehlzeitenmanagement geht darüber hinaus: Neben der Gesundheitsförderung umfasst es auch die Erfassung, Analyse und gezielte Maßnahmen zur Steuerung und Reduzierung von Fehlzeiten. Erst die Kombination aus beiden Ansätzen führt langfristig zu einer erfolgreichen Senkung von Krankheitstagen.
Eine Gefährdungsbeurteilung identifiziert potenzielle Risiken am Arbeitsplatz und ermöglicht gezielte Maßnahmen zur Prävention von Arbeitsunfähigkeit. Durch die Analyse der Arbeitsbelastung sowie von ergonomischen sowie psychischen Faktoren trägt sie zur Gesundheitsförderung bei und reduziert langfristig Fehlzeiten.
Arbeitgeber sind verpflichtet, regelmäßig eine Risikobewertung durchzuführen, um den Arbeitsschutz zu verbessern. Eine frühzeitige Anpassung der Arbeitsbedingungen minimiert gesundheitliche Belastungen und steigert die Produktivität der Mitarbeiter.
Psychische Belastungen wie Stress und Burnout haben einen starken Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit und sind eine der Hauptursachen für den Anstieg von Fehlzeitenquoten bei der Arbeit. Sie führen zu längeren Krankheitsausfällen und beeinträchtigen die mentale Gesundheit sowie die Resilienz der Mitarbeiter.
Schlechte Arbeitsbedingungen und fehlende Maßnahmen im Gesundheitsmanagement verstärken das Risiko psychischer Erkrankungen. Unternehmen, die präventiv handeln, indem sie die Arbeitsbelastung reduzieren und ein gesundes Arbeitsumfeld schaffen, können Fehlzeiten nachhaltig senken.